In meinem Keller stehen sie in Kisten: Jahrgänge von ‘Funk-Technik’, ‘Radio und Fernsehen’ und ‘Audio’. Es sind keine wertvollen Antiquariate, sondern Gebrauchsanleitungen und Nachschlagewerke einer vergangenen Technik-Ära. Über Jahre hinweg habe ich diese Hefte bei Flohmärkten und Online-Auktionen zusammengetragen. Irgendwann wurde die Masse unübersichtlich. Papier vergilbt, Heftrücken lösen sich, und die Suche nach einem bestimmten Kondensator-Datenblatt wurde zur zweistündigen Schatzsuche. Die Bewahrung dieser physischen Archive ist für mich als Hobby-Historiker keine Nebensächlichkeit, sondern ein Projekt.
Die erste Erkenntnis war schmerzhaft: Einfaches Lagern führt zum Verfall. Mein Ziel war es, den Inhalt zu sichern und zugleich einen physischen Referenzbestand zu erhalten. Eine digitale Kopie allein erschien mir zu flüchtig. Nach einigen Fehlversuchen entwickelte ich eine Methode, die beiden Ansprüchen gerecht wird. Ein zentraler Schritt war die Versorgung mit geeigneten Aufbewahrungsmitteln. Statt teurer Archivkartons aus dem Museumsshop fand ich eine praktikable Lösung für den Heimgebrauch bei einem spezialisierten Händler. Hier wurde ich bei www.zentralvertrieb.com fündig, die säurefreie Archivboxen in passenden Größen für Magazine anbieten. Diese Standardisierung war der Wendepunkt.
Die Bestandsaufnahme geht vor der Verpackung
Bevor auch nur eine Box geöffnet wird, muss man wissen, was man hat. Ich habe jeden Jahrgang und jede Heftnummer in einer simplen Tabellenkalkulation erfasst. Spalten sind: Titel, Jahrgang, Heftnummer, Erscheinungsmonat, grober thematischer Schwerpunkt (z.B. ‘UKW-Tuner-Bauprojekt’), und der physische Zustand auf einer Skala von 1 (brüchig) bis 5 (wie neu). Diese Liste ist mein Master-Index. Sie umfasst aktuell 1.247 Hefte. Ohne diese Liste wäre jedes spätere Finden unmöglich.
Säurefrei ist nicht verhandelbar
Normale Kartons oder Plastikboxen beschleunigen den Zerfall. Das Papier des 20. Jahrhunderts ist oft selbst säurehaltig. Lagert man es in säurehaltigem Karton, kommt es zu einer beschleunigten Versprödung. Die Seiten werden braun und brechen bei Berührung. Archivboxen aus säurefreiem, alkalisch gepuffertem Karton neutralisieren diese Effekte. Der Preis pro Box lag bei meiner Quelle zwischen 4,50 und 7,90 Euro, abhängig von der Größe. Das ist eine lohnende Investition, verglichen mit dem unwiederbringlichen Verlust eines kompletten Jahrgangs.
Die richtige Größe wählen: Keine Zwängprozedur
Fachzeitschriften haben oft ungewöhnliche Formate. ‘Audio’ der 1970er ist groß und quadratisch. Ältere ‘Funk-Technik’-Hefte sind schmaler. Sie alle in eine Standardgröße zu quetschen, schadet den Rücken. Ich habe drei verschiedene Boxgrößen gewählt:
- Klein: Für schmale Hefte bis 21 cm Höhe und 1,5 cm Dicke.
- Medium: Für Standard-Magazine der 80er und 90er.
- Groß: Für die großen, quadratischen Formate und gebündelte Jahrgänge.
Jede Box enthält maximal 15 Hefte. Schwerer sollte sie nicht werden, um die Handhabung zu erleichtern.
Ein digitales Backup ist kein Verrat am Original
Die physische Erhaltung schützt das Objekt. Der digitale Zugriff sichert den Inhalt für die tägliche Arbeit. Ich scanne nicht jedes Heft komplett. Das wäre bei über tausend Exemplaren unpraktikabel. Stattdessen digitalisiere ich nur das Inhaltsverzeichnis jedes Heftes und ausgewählte, besonders interessante Artikel oder Schaltpläne. Ein einfacher Flachbettscanner mit ADF-Einlage für die dünneren Inhaltsverzeichnisse reicht aus. Die Dateien nenne ich nach einem klaren Schema: ‘FT_1978_06_Inhalt.pdf’. So kann ich von meinem Arbeitsplatz aus in Sekunden prüfen, ob das gesuchte Thema im Heft 6/1978 behandelt wird.
Die Beschriftung muss aus der Ferne lesbar sein
Ein handschriftlicher Zettel an der Box verwischt oder fällt ab. Ich verwende einen einfachen Etikettendrucker mit wasserfestem, lösungsmittelfreiem Band. Jede Box erhält zwei identische Etiketten: eines auf der schmalen Seite (für die Regalansicht) und eines auf der Deckeloberseite. Der Code lautet: Abkürzung der Zeitschrift, Anfangs- und Endjahrgang in der Box, und die Boxnummer. Beispiel: ‘FT_1975-1977_B3’. Diese Nummer verlinke ich in meiner digitalen Tabelle. So führe ich die physische und die digitale Welt zusammen.
Der ideale Lagerort ist dunkel, kühl und trocken
Mein Keller war nur bedingt geeignet. Zu feucht im Sommer, zu kalt im Winter. Die Lösung war ein kleiner, entfernter Raum ohne Fenster. Ich habe ein einfaches Holzregal aufgestellt, das die Boxen seitlich, ohne Druck, aufnimmt. Entscheidend ist der Abstand zur Außenwand. Mindestens 10 cm sind nötig, um Kondenswasserbildung zu vermeiden. Ein preiswertes Thermo-Hygrometer überwacht die Bedingungen. Das Ziel sind 18 Grad Celsius und 50% relative Luftfeuchtigkeit. Stabile Bedingungen sind wichtiger als absolute Idealwerte.
Die Pflege ist ein laufender Prozess
Einmal eingerichtet, ist das Archiv nicht vergessen. Einmal pro Jahr, meist im Januar, mache ich einen Kontrollgang.
- Ich öffne drei zufällig ausgewählte Boxen und prüfe den Zustand der obersten und untersten Hefte.
- Ich überprüfe die Werte des Hygrometers auf Stabilität.
- Ich staube die Regale und Boxenoberflächen ab.
Diesen Rhythmus halte ich seit fünf Jahren ein. In dieser Zeit hat sich der Zustand meiner Sammlung nicht weiter verschlechtert. Bei einigen Heften scheint die Vergilbung sogar gestoppt. Das ist für mich der beste Erfolgsbeweis.
Die Systematisierung meiner Sammlung hat aus einem Haufen Papier ein funktionierendes Archiv gemacht. Ich kann nun gezielt für Restaurierungsprojekte recherchieren oder einfach nur in der Technikgeschichte einer Ära blättern. Die Mischung aus physischer Konservierung und digitaler Erschließung gibt mir die Sicherheit, dass dieses Stück Hobby-Geschichte auch für andere Interessierte in Zukunft zugänglich bleibt. Es ist handfeste, manchmal staubige Arbeit, aber sie verbindet die Hände mit dem Kopf. Und genau das macht den Reiz aus.
